NATO greift erneut libysche Hauptstadt Tripolis an
Tripolis - Die NATO hat in der Nacht erneut Ziele in der libyschen Hauptstadt Tripolis angegriffen. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtet, waren die ersten von gut einem dutzend Explosionen gegen Mitternacht zu hören.
Zuvor hatte eine Ermittlerkommission des UN-Menschenrechtsrats sowohl den Truppen des libyschen Machthabers Muammar el Gaddafi als auch den Rebellen Kriegsverbrechen vorgeworfen.
_____
Die Ermittlerkommission des UN-Menschenrechtsrats erklärte in Genf, die libyschen Regierungskräfte hätten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begangen. Als Beispiel für Menschenrechtsverletzungen nannten die Experten das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten, willkürliche Festnahmen und "schwere Angriffe" auf Medienvertreter.
Es lägen aber auch Berichte über Taten der Rebellen vor, die als Kriegsverbrechen gewertet werden könnten. Dazu gehöre die Folter von Inhaftierten, Einwanderern und mutmaßlichen Söldnern Gaddafis.
Die 47 Mitgliedstaaten des UN-Menschenrechtsrates hatten im Februar einstimmig beschlossen, eine Kommission einzusetzen, um mutmaßliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Regierung von Machthaber Gaddafi zu prüfen. Geleitet wurde das Team vom früheren UN-Ermittler für Kriegsverbrechen, dem Ägypter Scherif Bassiuni. Die Ermittler waren unter anderem in die libysche Hauptstadt Tripolis und in die Rebellenhochburg Bengasi gereist.
Die NATO fliegt seit Mitte März fast täglich Einsätze gegen Ziele in Libyen. Zuletzt war auch mehrfach die Residenz von Gaddafi in Tripolis angegriffen worden. Nach einer Sitzung des NATO-Rats in Brüssel hatte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Mittwoch bekanntgegeben, dass das Bündnis den Einsatz in Libyen um drei Monate bis Ende September verlängert.
In der Nähe eines großen Hotels in der libyschen Rebellen-Hochburg Bengasi ging am Mittwoch eine Autobombe hoch. Ein weiteres Auto auf dem Parkplatz des Tibesti-Hotels wurde bei der Explosion zerstört, wie ein Polizeivertreter sagte. Verletzt wurde aber niemand. Der Chef des Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil, sprach von einem "Terrorakt" und machte die Truppen von Machthaber Gaddafi für den Anschlag verantwortlich. Zu den Gästen des Tibesti-Hotels in Bengasi zählen Diplomaten, Journalisten und Rebellenvertreter.
©AFP 2011
Foto: Saeed Khan







