Die Welt ist kein Dorf. Mit Berichten und Nachrichten in dieser Rubrik im Paderborner-Blatt können Sie von der Vielschichtigkeit unserer Welt erfahren.
Ägyptisches Militär bittet Frauen um Verzeihung
Kairo - Nach der internationalen Kritik am brutalen Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräfte gegen Frauen hat sich der Oberste Militärrat für die Vorfälle entschuldigt. Die Armee werde die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, erklärte der Rat.
Einige Stunden zuvor demonstrierten in Kairo etwa 2000 Frauen gegen die Übergriffe. Sie sei "schockiert" über die Gewalt, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton in ungewöhnlich kritischen Worten in einer Rede an der Georgetown-Universität in Washington. Die "systematische Erniedrigung ägyptischer Frauen" bringe "Schande über den Staat" und sei "einem großen Volk nicht angemessen". Für Empörung hatte zuletzt ein Video im Internetportal YouTube gesorgt, in dem zu sehen ist, wie Soldaten eine verschleierte Frau schlagen, über den Boden schleifen und sie dabei bis auf den BH entblößen.
_____
Das Militär hatte den Vorfall eingeräumt. General Adel Emara vom regierenden Militärrat versuchte, das Verhalten der Soldaten zu rechtfertigen. "Man muss sich die Umstände anschauen", erklärte er und sicherte eine Untersuchung zu.
Auf anderen Bildern in sozialen Netzwerken im Internet war beispielsweise zu sehen, wie ein Militärpolizist eine weinende ältere Frau mit einem Schlagstock bedroht. Die unabhängige Tageszeitung "Tahrir" veröffentlichte ein Foto, auf dem ein Soldat eine Frau an den Haaren zieht, während ein anderer über ihr einen Schlagstock hebt.
UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay verurteilte die "brutale Unterdrückung" der Demonstranten. Eine Gruppe kürzlich gewählter Abgeordneter der am 28. November begonnenen und in Etappen abgehaltenen Parlamentswahl forderte mit einer Sitzblockade vor dem Obersten Gerichtshof ein Ende der Gewalt gegen Demonstranten sowie eine Untersuchung.
Sicherheitskräfte und Demonstranten lieferten sich am Dienstag erneut gewaltsame Auseinandersetzungen. Bei den Zusammenstößen auf dem Tahrir-Platz in Kairo wurden vier Menschen verletzt, wie ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums im Staatsfernsehen sagte. Ein Rettungskoordinator der Demonstranten sagte, vier Menschen seien getötet worden. Augenzeugen berichteten, bei den Auseinandersetzungen seien Steine geworfen worden und Schüsse gefallen.
Die Demonstranten fordern die Ablösung des vom Obersten Militärrat eingesetzten Ministerpräsidenten Kamal el Gansuri und die Machtübergabe an eine demokratisch legitimierte Zivilregierung. Seit Freitag wurden bei den Protesten nach jüngsten amtlichen Angaben mindestens 13 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt.
©AFP 2011
Foto: Khaled Desouki










