Fußball-EM: Ukraine entrüstet über deutsche Boykott-Diskussion
Kiew - Angesichts von Forderungen nach einem Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine hat die Regierung in Kiew den Ton verschärft. Außenamtssprecher Oleg Woloschin warnte vor "Methoden wie im Kalten Krieg" und davor, den "Sport zu einer Geisel der Politik" zu machen.
EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso hat laut Aussage seiner Sprecherin "keine Absicht", zu Spielen in der Ukraine zu fahren. Nach den Explosionen in der Heimat der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko fahnden die ukrainischen Behörden nach drei Verdächtigen.
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Woloschin sagte der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine, sein Land hoffe, dass Berichte über einen möglichen EM-Boykott durch die Bundesregierung "falsch" seien. Laut dem Magazin "Spiegel" erwägt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Boykott durch das Bundeskabinett. Der Vizesprecher der Bundesregierung, Georg Streiter, sagte in Berlin, ein Besuch Merkels hänge von der Achtung rechtsstaatlicher Prinzipien und dem Umgang mit Timoschenko ab.
Auf die neuen Äußerungen aus Kiew reagierte die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast. "Ich weise die Unterstellung, in Deutschland würde mit Methoden des Kalten Krieges gearbeitet, scharf zurück", erklärte sie. Künast forderte die ukrainische Regierung "nachdrücklich" dazu auf, Timoschenko von Ärzten behandeln zu lassen, "denen sie vertraut", und zur Behandlung nach Deutschland ausreisen zu lassen.
Die an Bandscheibenproblemen leidende Timoschenko verbüßt in der östlichen Stadt Charkiw eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Die EU kritisiert ihre Inhaftierung als politisch motiviert. Timoschenko protestiert mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen und beklagt Misshandlungen. Die Bundesregierung bot an, ihr eine Behandlung in Deutschland zu ermöglichen. Die EM beginnt in knapp sechs Wochen, die deutsche Mannschaft trägt ihre drei Gruppenspiele in der Ukraine aus.
Die Debatte um einen möglichen EM-Boykott hielt unterdessen an. Dagegen sprach sich der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach aus. Boykotte hätten sich bislang "immer als ebenso sinn- wie erfolglos erwiesen", sagte er HR-Info. Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) sagte dem Bild Online, der Sport könne nicht lösen, "was Staatengemeinschaften auch nicht lösen können". Der FDP-Innenpolitiker Serkan Tören erklärte dagegen, mit Blick auf die EM sei zu "überlegen, ob es nicht besser ist, die Europameisterschaft ausschließlich auf Austragungsorte in Polen zu beschränken".
Nach Bundespräsident Joachim Gauck sagte auch Tschechiens Staatschef Vaclav Klaus seine Teilnahme an einem Treffen mitteleuropäischer Staatsoberhäupter Mitte Mai im ukrainischen Jalta ab. Hauptursache sei der Fall Timoschenko, sagte ein Sprecher laut der Zeitung "Lidove Noviny". Auch Österreichs Präsident Heinz Fischer nimmt nicht an dem Treffen teil. Laut "Lidove Noviny" sagte zudem Sloweniens Präsident Danilo Türk ab.
Nach den Explosionen in Dnjepropetrowsk veröffentlichte der ukrainische Geheimdienst SBU Phantombilder von drei Verdächtigen. Die Männer zwischen 30 und 45 Jahren würden wegen "terroristischer Attentate" gesucht, teilte er mit. Durch vier Sprengsätze waren am Freitag etwa 30 Menschen verletzt worden. Am Sonntag lagen nach offiziellen Angaben 14 Menschen weiter im Krankenhaus.
©AFP 2012
Archivfoto: Sergei Supinsky





