Zwei Anschläge in Kabul nach Besuch von Barack Obama
Kabul - Kurz nach dem Besuch von US-Präsident Barack Obama in Kabul ist die afghanische Hauptstadt am Morgen von zwei Anschlägen erschüttert worden. Der Sprecher des Innenministeriums, Sidik Sidikki, sagte, es seien mindestens sechs Menschen bei einem Selbstmordanschlag auf ein von Ausländern genutztes Gästehaus getötet worden.
Ein AFP-Fotograf berichtete, Rauch steige aus dem auch von der EU und der UNO genutzten Gästehaus auf, das unweit des internationalen Flughafens der afghanischen Hauptstadt gelegen ist.
_____
Der Kabuler Polizeichef Mohammed Ajub Salangi sagte, ein Selbstmordattentäter habe sich auf der Dschalalabad-Straße, an der mehrere ausländische Militärbasen liegen, mit einem Auto in die Luft gesprengt. Die Taliban bekannten sich in einer Textnachricht an AFP zu einem Selbstmordanschlag auf ein ausländisches Militärlager. Demnach drangen mehrere bewaffnete Kämpfer anschließend in den Stützpunkt ein. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.
Obama war am späten Dienstagabend zu einem nicht angekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen. Der Besuch fiel auf den ersten Jahrestag der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch ein US-Spezialkommando im benachbarten Pakistan. In Kabul unterzeichnete Obama mit seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai ein Partnerschaftsabkommen, das den künftigen Einsatz von US-Truppen in Afghanistan regelt.
Demnach sollen sie auch nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen Ende 2014 in Afghanistan gegen Al-Kaida-Mitglieder vorgehen können. Später hielt Obama auf dem US-Stützpunkt Bagram eine Rede, die live im US-Fernsehen übertragen wurde. Darin sagte er, die USA stünden vor einem Sieg über das Terrornetzwerk Al-Kaida.
Der Sieg über Al-Kaida sei "in Reichweite", sagte Obama auf dem US-Stützpunkt Bagram. Von dort war am 2. Mai 2011 jene US-Eliteeinheit gestartet, die bin Laden in seinem Versteck in Pakistan erschossen hatte. "Wir haben die Führung von Al-Kaida niedergeschmettert", sagte Obama.
Mit der Reise ruft der US-Präsident seinen Landsleuten sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl seinen größten sicherheitspolitischen Erfolg in Erinnerung. Der Präsident kündigte in seiner Rede auch ein baldiges Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan an. "Wir sind durch ein Jahrzehnt unter der dunklen Wolke des Krieges gereist", sagte er mit Blick auf die Konflikte im Irak und in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. "Diese Zeit des Krieges begann in Afghanistan, und hier wird sie auch enden."
Der unter NATO-Führung stehende Militäreinsatz in Afghanistan soll bis Ende 2014 auslaufen. Dann sollen alle internationalen Kampftruppen das Land verlassen haben und die Afghanen eigenverantwortlich für Sicherheit sorgen. Derzeit sind nach Angaben des Pentagon noch rund 87.000 US-Soldaten sowie 44.000 weitere ausländische Soldaten am Hindukusch im Einsatz. Die Einzelheiten für die Übergabe der Sicherheitsverantwortung sollen auf dem NATO-Gipfel am 20. und 21. Mai in Chicago festgelegt werden.
©AFP 2012
Foto: Johannes Eisele








