Endgültiges Aus von Drogeriekette Schlecker besiegelt
Berlin - Die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker wird zerschlagen. Der Gläubigerausschuss sehe "keine Perspektive für die wirtschaftlich vertretbare Fortführung von Schlecker oder die Veräußerung des Gesamtkonzerns an einen Investor", teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach der Sitzung des Gläubigerausschusses in Berlin mit.
Auch nachdem interessierte Investoren am vergangenen Freitag eine Woche Zeit bekommen hätten, um ihre Angebote "sowohl finanziell als auch konzeptionell" anzupassen, liege "keine Offerte im akzeptablen Bereich vor". Daher habe das Gläubigergremium nun die Zerschlagung des Konzerns beschlossen.
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Eines der beiden zuletzt noch vorliegenden Angebote sei preislich nicht akzeptabel gewesen, sagte Geiwitz. Es lag demnach "deutlich unter einer Zerschlagung". Der US-deutsche Investor Nicolas Berggruen wiederum, der bereits die Kaufhaus-Kette Karstadt vor der Pleite gerettet hatte, zog sein Angebot "gestern Nacht" zurück, wie Geiwitz während einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte.
Die betroffenen 13.200 Schlecker-Beschäftigten sollen nun voraussichtlich bis Ende Juni ihre Kündigungen erhalten. Schlecker werde zeitnah einen Ausverkauf in seinen rund 2800 deutschen Märkten starten. Gleichzeitig sollten die Gespräche zu einem Verkauf der Auslandstöchter fortgeführt und zu einem schnellen Abschluss gebracht werden. Auch den Verkauf der Vermögenswerte, etwa der Logistikstandorte und der Unternehmensimmobilien, wolle Geiwitz zügig abschließen.
Die Beschäftigten haben nach Angaben des Betriebsrates mit Wut, Trauer, Entsetzen und Enttäuschung auf die Entscheidung reagiert. Dies sei eine "menschliche und soziale Katastrophe", erklärte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Schlecker, Christel Hoffmann, in Berlin. Die Belegschaft gebe aber nicht auf. Aus Sicht der Beschäftigten brauche es mehr Zeit, um die Zukunft der Schlecker-Frauen zu sichern.
Die Politik müsse handeln, forderte Hoffmann. Denkbar sei ein Sonderfonds, aus dem das Insolvenzgeld um bis zu zwei Monate verlängert werden könne, sowie andere staatliche Hilfen. Um Arbeit zu finanzieren statt Arbeitslosigkeit, seien auch unkonventionelle Maßnahmen nötig und dringend geboten.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte die deutschen Handelsunternehmen auf, möglichst viele Standorte mit den Beschäftigten zu gesicherten Bedingungen zu erhalten. Verdi-Chef Frank Bsirske verlangte zudem eine Transfergesellschaft für die Frauen, sollten alle denkbaren Lösungsmöglichkeiten ausgelotet und erschöpft sein.
Nach der ersten Entlassungswelle im April habe sich gezeigt, dass nur ein sehr geringer Teil der Schlecker-Beschäftigten in einen neuen Job vermittelt worden sei. Die Bewältigung der "größten Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik" müsse auf allen Ebenen zur Chefsache werden.
Für die Tochtergesellschaften IhrPlatz und Schlecker XL gilt die vereinbarte Zerschlagung nicht. Für beide soll es "eine eigenständige Zukunft" geben. Bei Schlecker XL arbeiten derzeit rund 1100 Menschen, IhrPlatz hat etwa 3990 Beschäftigte.
©AFP 2012
Foto: Marijan Murat






