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GLS wirft Wallraff "einseitige Berichterstattung" vor

Enthüllungsjournalist Günter WallraffNeuenstein - Der Paketzusteller GLS hat dem Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff nach dessen Kritik an den Arbeitsbedingungen von Zustellfahrern eine "einseitige und verkürzte Berichterstattung" vorgeworfen.

"Die Transportunternehmen werden bei der Erledigung von Transportaufträgen von GLS zur Beschäftigung von Fahrern in rechtskonformen, sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhältnissen verpflichtet", erklärte GLS im hessischen Neuenstein. Die GLS-Gruppe akzeptiere "keine despektierlichen Äußerungen über Subunternehmen und deren Fahrer in ihrem Unternehmen", hieß es weiter in der Erklärung.

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"Wir legen Wert auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die im Rahmen der Gesetze gestaltet wird." Das Unternehmen sei "stolz auf unsere Transportunternehmer und deren Fahrer, die GLS im Außenverhältnis repräsentieren".

Wallraff hatte am Mittwochabend in einer vom Privatsender RTL ausgestrahlten Reportage über seine verdeckten Recherchen bei GLS als Paketbote berichtet. In einer im "Zeit-Magazin" veröffentlichten Reportage schrieb Wallraff dazu: "Was mir die Kollegen in dieser Zeit berichtet haben, welche Zerstörung an Leib und Seele diese Arbeit für sie gebracht hat - ich hatte geglaubt, so etwas gäbe es seit dem Frühkapitalismus nicht mehr."

Arbeitszeiten von zwölf bis 14 Stunden seien in der Branche üblich zu einem pauschalen Brutto-Festgehalt von 1200 und 1300 Euro, berichtete Wallraff. Überstunden würden nicht bezahlt, Pausen seien bei den langen Touren der Fahrer kaum möglich - obwohl die Verordnungen über Lenk- und Pausenzeiten für Kraftfahrer eigentlich eine dreiviertelstunde Pause nach viereinhalb Stunden Lenkzeit vorschrieben.

Die Fahrer sind demnach nicht von GLS angestellt, sondern von Subunternehmern, mit denen der Konzern Auslieferungsverträge unterzeichne. So handhabten dies auch viele andere Paket- und Kurierdienste. Die Konzerne könnten damit viele Risiken auslagern. Den Fahrern werde geraten, das Fahrtenbuch nicht allzu ernst zu nehmen und die Fahrtzeiten zu schönen, berichtete Wallraff.

"Die Arbeit zehrt an der Gesundheit, auch bei den vorwiegend jungen Fahrern. Sie altern in einem rasanten Tempo", schrieb der Kölner Enthüllungsjournalist. Häufig hielten Fahrer höchstens zwei, drei Jahre durch. Die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen ruinierten ganze Familien, viele Beziehungen zerbrächen daran.

Wallraff zufolge soll vor allem die Lage der Subunternehmer schlimm sein, da sie das ganze Unternehmerrisiko alleine trügen. "Ich habe bei meinen Recherchen über ein Dutzend Subunternehmer kennengelernt, die für GLS fahren oder gefahren sind", schrieb Wallraff. "Bei allen mit zwei Ausnahmen sind die Beziehungen kaputtgegangen, die Familien zerbrochen." Meist hielten auch die Subunternehmer nur einige Jahre durch und stünden nicht selten am Ende mit einem großen Schuldenberg da.

©AFP 2012
Foto: Caroline Seidel

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