Schauspiel „Das Interview“ - Die Sexbombe und der Macho
Bad Salzuflen (Kreis Lippe) - Zu einem gnadenlosen Schlagabtausch zwischen Mann und Frau, Star und Journalist, Dummchen und Intellektuellem, Sexbombe und Macho entwickelt sich „Das Interview“, ein Schauspiel nach dem Film von Theo van Gogh und dem Drehbuch von Theodor Holman unter der Regie von Jürgen Kloth.
Das Theater im Rathaus Essen in Zusammenarbeit mit dem Tourneetheater „Thespiskarren“ bringt das Stück mit Martin Lüttge und Julia Grimpe in der städtischen „Schauspiel“-Reihe am Freitag, 27. April 2012, um 19:30 Uhr im Kur- und Stadttheater an der Parkstraße in Bad Salzuflen zur Aufführung.
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Karten im Vorverkauf gibt es an der Theaterkasse der Kurverwaltung, Telefon 0 52 22 / 183-200, und bei der Bürgerberatung im Rathaus an der Rudolph-Brandes-Allee.
Pierre Peters ist auf den Kriegsschauplätzen der Welt zu Hause, kennt sich aus im politischen Tagesgeschäft, kann Politikern vor laufender Kamera gerade das entlocken, was sie verbergen wollen, und nun das: Ausgerechnet Soapsternchen Katja Schuurman, bekannt aus hirnfreien Fernsehshows und drittklassigen Filmen, soll er interviewen. Sein Chef straft ihn im Zuge eines Polit-Skandals mit dieser ressortfremden Arbeit ab. Also ein öder Auftrag, klar unter seiner Würde: „Barbiepuppe statt Ministerpräsident“.
Er hat für das TV-Sternchen nur Verachtung übrig. Hinzu kommt, dass er durch diesen Interview-Termin nicht die für ihn viel bedeutungsvollere Berichterstattung über den zeitgleich vollzogenen Rücktritt der niederländischen Regierung wahrnehmen kann. Die Schauspielerin, die beim Fernsehpublikum vor allem durch ihre äußeren Reize große Popularität erlangt und „neun Millionen Menschen glücklich gemacht“ hat, begegnet umgekehrt dem Reporter mit misstrauischer Abneigung. Sie hat einen Kulturredakteur erwartet, der seine Standard-Fragen zu Ruhm und Liebesleben abarbeitet. Stattdessen begegnet sie nun dem von ihr als äußerst arrogant empfundenen Pierre, der nicht eine einzige ihrer Fernsehrollen kennt und ihr noch dazu zynisch und aggressiv gegenüber tritt.
Dass sich die Begegnung der beiden allerdings sehr schnell zu etwas ganz anderem entwickelt, ist getrost zu erwarten, denn niemand anders als der radikale niederländische Querdenker und Regisseur Theo van Gogh hat die Geschichte von Katja und Pierre auf die Leinwand gebracht.
Das Bühnenstück entstand nach dem vorletzten Film (2003) des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh – ermordet von einem islamischen Fanatiker am 2. November 2004 in Amsterdam -, dem 2007 eine erneute Verfilmung durch den US-Regisseur Steve Buscemi folgte.
Stephan Lack hat das Stück übersetzt und für die Bühne adaptiert, so dass ein Kammerspiel entstanden ist, das sich ganz auf die Schauspieler konzentriert. Durch die subtile Analyse psychischer Reaktionen gelingt eine präzise Beschreibung jener vollends theatralisierten Welt, wie sie die Medien täglich neu erschaffen.
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